Küchengärten Limmer starten mit ersten Öffnungszeiten im Februar


Filmtipp 3sat: Food, Inc., Sonntag 13.02., 22:10 Uhr

Die Fernsehanstalt 3sat, zeigt den Film

Food, Inc. – Was essen wir wirklich?

http://www.3sat.de/page/?source=/ard/sendung/151494/index.html

Der amerikanische Lebensmittelmarkt wird anhand von Beispielen analysiert.

Das ist ein Wandelwerte-Thema, weil unser Konsumverhalten die Produktion von Lebensmitteln beeinflusst.

Denn erst industrielle Landwirtschaft auf Basis von Erdöl und dem Raubbau an Natur, Umwelt, Mitwelt, ermöglichte den Lebensstandard, den wir heute kennen und wie selbstverständlich genießen.

Schwierige Balance zwischen Hungerbekämpfung und Umweltzerstörung

Hätte es die explosionsartige Steigerung der Produktion, den Raubbau am Regenwald, Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln, Gensaat, nicht gegeben, müssten wir heute mit massiv höheren Preisen bei Lebensmitteln umgehen, insbesondere für Fleisch.

Der Anbau von Sojabohnen in Südamerika ist eine Ursachen für die Abholzung des tropischen Regenwaldes in Südamerika. Das beschreibt auch ein Spiegel-Online Bericht von 2006: Die Gier nach Soja frisst den Regenwald.

Historisch niedrige Endbestände an Sojabohnen in den USA unterstreichen, dass zur Sicherstellung der weltweiten Versorgung die großen Ernten in Südamerika (52 Prozent der Weltproduktion) dringend gebraucht werden.

Hier sehen Sie die Entwicklung der Weltjahresproduktion von Sojabohnen seit 1980.

Sojabohnen Weltproduktion
Quelle: RSG Partner GmbH, Freising, The Hightower Report

Die Produktion von Sojabohnen, wichtigste Grundlage für Viehfutter, eilt von Jahr zu Jahr zu neuen Rekorden. Der Hunger nach den Bohnen erscheint unermesslich – und das bei ausgelaugten Böden, die nur noch mit Hilfe von extremem Einsatz von Düngemitteln und Gentechnik die erforderlichen Erträge liefern. Fruchtbare, schwarze Erde gibt es in Europa nur noch in gefährdeten Insellagen.

Dabei steht China mit seiner Nachfrage im Vordergrund. Das Land kann seit 1996 seinen Bedarf an Sojabohnen nicht mehr selbst decken und muss importieren. Die Einfuhr von Sojabohnen erhöhte das Land in den vergangenen zehn Jahren um rund 330 Prozent.

Dieser Zusammenhang wurde auch von der chinesischen Führung erkennt, so dass dort die Zinsen erhöht wurden, um das Wachstum auszubremsen und eine Konsolidierung einzuleiten. Ob das ausreicht, bleibt offen.

Preisausschläge signalisieren die Verknappungstendenzen

Bei unveränderten Konsumgewohnheiten, auch in den westlichen Industrieländern, droht angesichts der Wachstumsraten der Verbräuche (= Wachstum der Weltbevölkerung und Wirtschaftswachstum) langfristig ein Kollaps. Sollte es 2011 erneut Missernten geben, könnten die Preise explodieren und einen ersten Vorgeschmack dazu liefern.

Wegen der Ereignisse von 2010 (Torfbrände in Russland, El Niño-Effekte auf der Südhalbkugel der Erde), hat sich die Preissituation angespannt.

Beispiele für Preisveränderungen in den vergangenen zwölf Monaten:

in Euro

Mais + 72 Prozent

Weizen + 100 Prozent

Rapssaat + 57 Prozent

Kartoffeln + 94 Prozent

in US-Dollar

Sojaschrot (Viehfutter) + 52 Prozent

Weitere Wetterkapriolen würden die Spekulationsfreude an den Börsen anfeuern und die Preise weiter kräftig steigen lassen.

Allerdings gilt das auch im umgekehrten Fall: Sollten Ernten weltweit planmäßig und üppig verlaufen, würde die aktuelle Spekulation in sich zusammenfallen – verbunden mit einer möglichen Halbierung der Preise. Das könnte  die Abholzung des Regenwaldes vorübergehend bremsen. Aber angesichts des Klimawandels und aufgrund der maroden Bodenverhältnisse ist es wahrscheinlicher, dass die Angebotssituation künftig angespannt bleibt und die Preisausschläge an den Warenterminmärkten weitergehen.

Gartenarbeit als Bildungsveranstaltung

Um so mehr erscheint es wichtig, regionale Versorungsstrukturen aufzubauen und Alternativen aufzuzeigen. Mit einem Lebens-WANDEL in den Städten und veränderten Konsumgewohnheiten (z.B. Prüfung des Fleischkonsums) reduzieren wir den Verbauch von regenwaldschädlichen Produkten und verringern die Abhängigkeit von Importen.

Das dient auch dem Selbstschutz: Die Widerstandskraft einer Stadt gegenüber externen Krisen entscheidet, mit welcher Geschwindigkeit sie bei Versorgungsenpässen vor die Wand fährt oder ob ein rechtzeitiges Bremsmanöver Schlimmeres verhindert. Ziel ist es, ein hohes Maß an Resilienz anzustreben (vergl. Eduard Pestel Institut für Systemforschung mit der Untersuchung der regionalen Krisenfestigkeit in Deutschland).

Insbesondere in den Städten wird jeder Quadratmeter benötigt, um Anbauflächen zu nutzen, bzw. auf brach liegenden alten Flächen nach dem Muster der Prinzessinnengärten in Berlin herzustellen, um die Versorgung der Bevölkerung zu unterstützen.

Deshalb beteiligt sich Wandelwerte an einem Projekt des gemeinnützigen Vereins Transition Town Hannover: Es entstehen die “Küchengärten Limmer” (kügäli) auf dem südlichen ehemaligen Parkplatz der Continental-Werke und heutigen Grundstück der Wasserstadt | Google Maps.

Wunstorfer Straße 135, bitte beachten Sie die Leit-Beschilderung vor Ort, besonders zur kalten Jahreszeit:

Termine, Öffnungs- und Sprechzeiten

15.02.2011: 09:00 Uhr bis 13:00 Uhr

23.02.2011: 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr

03.03.2011: 13:00 Uhr bis 17:30 Uhr

02.04.2011: Eröffnungsfeier

Flyer zum Weiterreichen und Ausdrucken und Verteilen

Beachten Sie auch den Plan der Biowerkstatt, Bildung und Projekte, Andrea Preißler-Abou El Fadil, Hannover. Es entsteht ein Bio-Alchimisten-Garten, u.a. mit der Produktion von Terra Preta.

Lesen Sie als Hintergrund-Information zu Terra Preta den Wandelwerte-Bericht vom 30.11.2010, “Schwarze Erde für Hannover” und die Terra Preta Information der Biowerkstatt.

Die Lebensmittelproduktion benötigt mehr Aufmerksamkeit

Das Projekt in Limmer umfasst die Wandelwerte-Ziele für den LebensWandel in der Stadt: Immobilien-Recycling, Urban Mining, regionale Wirtschaftskreisläufe, Terra Preta, Bildungsarbeit zu Konsumgewohnheiten, Lebensmittelproduktion, Schutz des Regenwaldes, Kunst und Kultur im öffentlichen Raum mit Recycling-Design und Veranstaltungen.

Es handelt sich dabei um ein experimentelles Themenpark-Projekt, mit dem vielseitige neue Erkenntnisse gewonnen werden. Sie sollen später in anderen Stadtteilen oder in anderen Städten als Erfolgsmethode angewendet werden.

Wichtig dabei: Der Küchengarten Limmer wird offen angelegt, d.h. Privatpersonen, Unternehmen, Vereine, Gebietskörperschaften erhalten die Möglichkeit, sich mit eigenen Projekten darzustellen. Im Rahmen eines freien “Open Air-Labors” kann jedermann Versuchsanordnungen zur Urbanisierung von Brachflächen installieren.

Insgesamt erscheint es wichtig, die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Gesellschaft mit bürgerschaftlichem Engagement zu unterstützen. Wandelwerte Hannover trägt mit seiner Beteiligung an regionalen Projekten dazu bei.

Die Aktionen an den Küchengärten Limmer ermöglichen, Informations- und Bildungsarbeit zu leisten. Wir sprechen über die Produktion von Lebensmitteln an diesem ungewöhnlichen Ort und in anderen Regionen der Welt. Dadurch erhalten wir die erforderliche Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema unserer Zeit.